Klausurbericht Jan-Feb 2011

Zur Klausur in Fumonji Jan/Feb 2011
Persönlicher Bericht
Zwei Monate Klausur im Zenkloster Fumonji in Eisenbuch gehen dem Ende zu. Meine Knochen sind müde, aber der Geist ist wach; die Schlafenszeiten waren kurz, die Zazenzeiten lang. Ich schaue zurück auf einewunderbare, intensive Zeit, auch auf Höhen und Tiefen in den Emotionen.
„Den Weg erforschen heißt sich selbst erforschen“ (Dogen). Zur Selbsterforschung gab es reichlich Gelegenheit: täglich zehn 45-Minuten – Perioden Zazen (während des integrierten 3-wöchigen Intensiv-Sesshins 14 Perioden), Dokusan, Teisho, Kusen, Studierzeiten, Studienkreise und Dharma-Gespräche in der Teilnehmerrunde, nicht zuletzt die rechte Ausführung der Formen und Aufgaben, die der Klosteralltagerfordert. Studiert haben wir dieses Mal Predigten und Textauszüge aus dem „Buch der Göttlichen Tröstung“ des christlichen Mystikers Meister Eckhart. „Studieren“ bedeutet im Kloster Fumonji: den Text verdauen, damit umgehen, vor allem ihn auf sein eigenes Leben beziehen und dazu eigene Worte aus dem Herzen sprechen. Eben sich selbst erforschen, das heißt, nicht akademisch diskutieren. Entscheidend für den Umgang mit dem Text waren die Erklärungen Roshis, in einer Lebendigkeit ohnegleichen. Ich habe viel gelernt dabei, und es freut mich sehr, nun Bibelworte und das Vaterunser tiefer zu verstehen. Als etwas vielleicht Einmaliges empfinde ich in Fumonji die Atmosphäre des in erbaulicher Landschaft gelegenen authentischen Zenklosters, verbunden mit der dichten Nähe und Intensität der Beziehung zum Abt selber, unserem Lehrer Nakagawa Roshi. Wir haben auch viel zusammen gelacht in den wenigen freien Zeiten, wenn das Schweigegebot aufgehoben war. Täglich um 3 Uhr aufstehen, 10 Mal 45 Minutensitzen….Warum tun wir uns all das an? Weil wir nach langen Jahren der Übung das Grundvertrauen in die Weg-Übung geschenkt bekommen haben, die Übung, die wir zusammen mit unserem großen Lehrer gehen wollen. „Das Zazen ist das Wichtigste“, gab der Fumonji-Ehrenbegründer und Hauptabt des Soto-Hauptklosters Eiheiji, Miyazaki Zenji (verstorben 2008) bei einer Audienz Nakagawa Roshi mit. Auch wenn es uns jetzt noch nicht bewusst sei oder wir es gar nicht bemerkten, so wirke doch das Zazen in uns, ermunterte uns Nakagawa Roshi. In einer intensiven Zeit des Übens in aufrichtigem Geist kann man sich nicht verstecken, irgendwann blättert das Gesicht der Verstellung ab, und es zeigt sich der Mensch, wie er ist. „Liebe ist, dass du so sein darfst, wie du bist“, sagt Roshi. So gehen wir den Weg, in der Form des Zen, ungebunden und frei, offen für andere Formen spiritueller Übungen, im Bewusstsein, dass unsere spirituellen Wurzeln tief hinab in unsere Kulturgeschichte reichen. Nun wartet der Alltag draußen in der Welt. Wie werde ich ihm jetzt nach der Klausur begegnen?