Kochen und Tanzen – März 2015

Begegnungen im Kreis in Daihizan Fumonji:
Meditation in Schritt und Bewegung,
in Achtsamkeit und Freude.
Sitzen, Kochen, Tanzen und Singen,
Aspekte des Lebens – verbunden zu einem Ganzen.
Wir – verbunden auf dem Weg.
Alles zu seiner Zeit, dem eigenen Raum und seiner Bedeutsamkeit:
Klosteralltag – manchmal Stille und Schweigen und Sitzen,
begegnen Rezitationen, Klangsignalen.
Seminargeschehen – Kochen, Begegnung im Kreis, Freude und Lachen.
Ereignis am Himmel – Sonnenfinsternis,
Begegnung von Mond und Sonne – von Yin und Yang.

Zusammen mit einigen anderen Frauen habe ich vor kurzem vom 18.03. bis 22.03.2015 an einem ganz besonderen Zen-Retreat im Zen-Zentrum Eisenbuch – Daihizan Fumonji – teilgenommen. Diesmal begegneten wir uns nicht nur Sitzen, sondern – neu in Eisenbuch – Heilsames Leben und gemeinsames Kochen wurde verbunden mit Tanzen Kreis und Gesang. Dies Tanzen und Singen war für mich und die anderen Teilnehmerinnen eine neue Erfahrung an diesem Ort.

Ich empfand, dass sich die Form für den Ausdruck des Zengeistes wandeln kann, nicht mehr nur ausgedrückt im Sitzen in Stille, sondern auch über Bewegung und Tanz. – Klangsignale und Singen bewegen uns innerlich. Vielleicht entsteht dabei in uns Resonanz.

Beim gemeinsamen Austausch in der Abschlussrunde wird auch geäußert, dass mit der Begegnung des Zazen auf der einen Seiten und dem Kreistanz sich auch Yang und Yin begegnen. Beides ergänzt sich. Für mich entsteht jetzt im Nachhinein das Bild vom weichen Wasser in Bewegung, dass dem harten Stein begegnet. “Wasser“ verändert in der Begegnung mit dem „Stein“ (der festen Form des Zazen) seinen Lauf und selbst der Stein erfährt schließlich Veränderung. Das „Wasser“ löst (auf), trägt Erstarrtes ab und trägt es auch weiter, fügt es schließlich wieder neu zusammen. Neue Formen können entstehen, neue Erfahrungen sind möglich.

Früh am Morgen haben wir zwei Sitzperioden im Zendo Zazen gesessen, zusammen mit Roshi, Ruth Myochi und Susanne Inko aus dem Zen-Zentrum. Wer wollte konnte drei Perioden Zazensitzen, d.h. schon um 4.25 Uhr mit der Klostergemeinschaft beginnen. Der Beginn und das Ende des Sitzens werden von Klangsignalen und Rezitationen begleitet. Am Abend beendeten wir den Tag auch mit Zazen, oft verbunden mit einem Vortrag von Roshi, der unsere Erfahrungen vertiefte. Das gemeinsame Essen geschah im Schweigen, wie auch die Zeit am Abend bis zum Frühstück des nächsten Tages. Nach dem Frühstück und einer Pause trafen wir Teilnehmerinnen uns zur Vorbesprechung und Einstimmung auf das gemeinsame Kochen mit Leni und Susanne Inko.

Leni – eine der Köchinnen in Eisenbuch – erfahren wird diesmal ganz anders, jetzt auch als Lehrerin auf dem Zenweg. Bei der Erledigung aller Alltagstätigkeiten drückt sich der Zengeist aus. Die Person, die das Kochen im Zen-Kloster anleitet, hat dabei sogar eine besondere Bedeutung. Gemeinsam mit Leni, Susanne Inko und dem Buddha in der Küche an unserer Seite, gelingt uns das Kochen wunderbar. Wir erhalten viel Lob von Roshi und Ruth Myochi als spiritueller Mitleitung des Zentrums.

Leni drückt in der Abschlussrunde am letzten Tag des Retreats etwas aus, dass für sie mit besonderer Freude verbunden war. Als die Aufgabe als Lehrerin, die ihr von der Klostergemeinschaft angetragen wurde, war dies für sie neu. Sie hat diese Aufgabe als große Herausforderung erlebt, in die sie aber hineinwachsen durfte und konnte. Als besonders hilfreich und schön erlebte sie das ihr entgegengebrachte Vertrauen der Hausgemeinschaft, dass sie immer wieder spüren konnte. Dies gab ihr Sicherheit und stärkte auch Selbstvertrauen. So zeigt sich, dass wir uns mit und durch die uns übertragenen Aufgaben auf dem Zen-Weg verändern und daran wachsen können.

Diese Form der Schulung ist ein Ziel von Roshi als spiritueller Leiter des Zen-Weges im Zen-Zentrums Eisenbuch. Zwei Teilnehmerinnen dieses Zen-Retreats sind Mitglieder der San`nai-Ausbildungsgruppe in Eisenbuch, die als solche – ganz in diesem Sinne – insbesondere unter der persönlichen Anleitung von Roshi und auch von Susanne Inko die Klangsignale und Rituale eines Zen-Klosters der japanischen Soto-Zen-Linie erlernen dürfen.

Für mich selbst sind die Töne/ der Klang wie auch die besonderen Rituale und Rezitationen ein sehr berührender und wichtiger Teil auf meinem Zen-Weg. Der Klang scheint mich manchmal – wenn ich offen dafür bin – in mich selbst zurück zu führen, mich selbst – tief in mir – in Schwingung zu versetzen. – Gibt es vielleicht einen Weg um selbst zum „Ton“ zu werden, in Resonanz mit den anderen „Tönen“ der Mitübenden auf dem Weg? – Eine für mich schöne Vorstellung, die mein Herz warm werden lässt. Bislang bin ich „nur“ Hörende und Empfangende der Klangsignale und –rituale in Eisenbuch. Hier spüre ich den Wunsch auch selbst Lernende und Gebende sein zu dürfen.

Nachmittags führt uns das gemeinsame Tanzen in die Buddha-Halle und den großen alten Obstgarten des Klosters. Die Hauskatze folgt uns beim Tanzen auf unserem Weg an verschiedene Stellen des Gartens und bleibt an unserer Seite. Sie scheint unsere Freude und Gelöstheit zu spüren und zu teilen. Ruth Myochi empfindet unseren Gesang aus der Ferne als fast sphärisch. Mir fällt ein buddhistisches Zitat ein: „Du kannst tausende von Kerzen an dem Licht eine Kerze anzünden, ohne das ihr Licht schwächer wird. Freude wächst, wenn sie geteilt wird.“

Kornelia Aishin Völker