Rakusu Retreat – Oktober 2009

Bericht über das Rakusu – Retreat vom 28.10 – 01.11.2009

Das Retreat zum Rakusu nähen wurde von Kasai Roshi und Kawahata – San geleitet, es nahmen 10 Leute daran teil.
Auch wenn ich erst einen Tag nach Beginn an dem Retreat teilnehmen konnte, war ich doch sehr schnell wieder „drin“. Wie schwierig, und mit wie viel Konzentration verbunden diese Übung ist, kann man nur nachempfinden, wenn man sich mal wirklich daran gemacht hat!
Die einzelnen Teile, die nach einem genauen Schnittmuster aus einem sich überlappenden Gewirr von Quadraten bestehen, die terassenförmig, wie Reisfelder angeordnet sind; wurden glücklicher weise von Kasai – Roshi und Kawahata – San mit großer Geduld für die Teilnehmer durch Stecknadeln zusammengefüg, an denen man dann, mehr oder weniger geglückt, „nur noch“ entlang nähen musste.
Mehr als einmal gleitet mir der Faden aus dem Nadelöhr, oder er verknotet sich beim durchziehen durch den Stoff, weil ich ihn zu lang genommen habe.
Die wichtigste japanische Vokabel, die wir lernen ist daher bei dieser Übung ‚Itotoshi’, (das ist ein kleiner, silberner Einfädler, dessen Wert ich nun für alle Zeiten zu schätzen weiß). Itotoshi, das heißt: Faden durch, so sagt uns Kasai Roshi, der stets lächelnd ein Auge auf alle Tische hat, an denen die Rakusu – Adepten ihrem Handwerk nachgehen.
Morgens und abends üben wir Zazen, was mir als Abwechslung genauso gut tut, wie die kurze Samuzeit im Garten. Der Nacken und der Rücken sind immer etwas verspannt, von den langen  Etappen als Pseudo – Schneider, und so tut Bewegung oder gerades Sitzen in ZEN noch besser als gewöhnlich.
Mein Dank gilt vor allem Kasai – Roshi und Kawahata – San, die beide extra aus Japan angereist waren, um uns in unserer Übung zu unterstützen.
Vor einiger Zeit las ich einen Artikel des zur Zeit sehr angesagten Philosophen Slavoj Zizek, er machte darin dem Buddhismus den Vorwurf, eine Religion zu sein, der es nur um das Kreiren von „Happiness“ gehe.
Eine bessere Widerlegung als die Bemühungen unserer japanischen Dharma-Freunde, uns mit all ihrer Kraft jederzeit zu helfen, kann ich mir kaum vorstellen.

Gudo K. Stremme