Zen und Meer – 2016

 

 

Eisenbuch und eine Indianergeschichte

Einem Indianer zu begegnen ist ein großes Glück im Leben. Ich traf ihn, es war bald nachdem ich das erste Mal im Zen-Zentrum Eisenbuch aufschlug, anders kann ich es nicht sagen. In diesem Sommer 2014 fühlte ich mich ziemlich zerrupft vom Leben und war kurz davor, aufzugeben. Das Glück im Außen zu suchen hatte mich mürbe und krank gemacht. Und gefunden hatte ich es auch nicht.
Doch zurück zum Indianer: Er heißt offiziell, klassisch-bayrisch „Manfred“ und hat eine Katze, einen rot-weiß getigerten Kater namens „Sir Freddy“.
Als ich das erste Mal nach Eisenbuch kam, begegnete ich auch einer Katze, Chitta. Sie maunzte ein fast zahnloses Maunzen, als wir aufeinandertrafen und begleitete mich zusammen mit Ruth auf mein Zimmer. In diesen ersten Tagen in Eisenbuch zeigte sie sich mir als ein wahrer Zen-Meister. Weise und intuitiv stand sie mir in den schwierigsten Momenten zur Seite, in Stille, ganz ohne Worte.
Katzen und Indianer haben einiges gemeinsam. So sind sie beispielsweise sehr echt.
Sie verbiegen sich nicht und wenn Dir ein Indianer sein Ehrenwort gibt, dann gilt das! Indianer haben Rückgrat und wenn der Indianer den Bogen spannt, dann ist es der göttliche Funke des Augenblicks, welche den Pfeil zum Ziel lenkt.
Katzen und Indianer, so stellte ich fest, sind wahre Könner darin, ganz und gar im Hier und Jetzt zu sein. Aber was um alles in der Welt hat das alles nun mit Eisenbuch zu tun?
Nun ja …
Ich erinnere mich noch gut daran, als ich zum ersten Mal das große Tor des Zen-Zentrums öffnete. Mein Bauchgefühl gab sofort Meldung an den Verstand:
Hier ist alles gut! Ein echter Ort. Keine spirituelle Arroganz, keine große Bühne für die große Show, kein Verbiegen, keine schillernde Farben, welche vom Wesentlichen ablenken.
Statt dessen: Ruhe und Klarheit.
Und ich fand mich wieder. Stück für Stück begann ich, mich an mich selbst zu erinnern und daran, dass die wahre Heimat im eigenen Herzen wohnt.
Hier in Eisenbuch, in dem auch Raum für eine Katze und meinen Indianer im Leben ist.
Und dennoch … oder gerade deswegen zog es mich fort. Ich beschloss, eine lange Reise zu machen. Wie lebt sich der Buddhismus an anderen Orten dieser Welt aus? Mit dieser Frage reiste ich 2016 nach Thailand und Nepal. Ich besuchte Klöster, praktizierte Sitz-und Gehmeditation, teilte meine Zelle und meine Gedanken in manchen Momenten mit Riesenspinnen und bunten Geckos in Unter- und Übergrößen.
Ich erlebte den Buddhismus von seiner schlichten, seiner schillernden, seiner chauvinistischen, seiner liebvollen und achtlosen Seite.
Weil es Menschen sind, welche ihn leben und lehren.
Nach vier Monaten Reisezeit holte mich mein Freund, der Indianer gemeinsam mit meiner besten Freundin und Seelengefährtin Christiane, vom Flughafen ab.
„Und jetzt? Bleibst Du? Oder hat sich die Spiritualität in der Fremde wahrhaftiger und lockender angefühlt als hier in Bayern?“ Wichtige Indianerfragen eben.
Nein. Hat sie nicht. Ein kleines, großes Stück Heimat habe ich wohl längst gefunden, so erkannte ich während meiner Reise. Es ist Eisenbuch, mit seiner ehrlichen Schönheit, der heilsamen Klarheit und der Katze Chitta mit ihren etwas wackeligen Maunz-Tönen.
„In sich selbst tief verwurzelt sein – in sich selbst ankommen“, wie Roshi einmal gesagt hat. Und dieser wunderbare, bilderreiche Satz hätte wohl auch von einem wahrhaftigen Indianer stammen können.
Danke dafür!

Alles-Liebe,

Saskia Andriessen